Viele junge Menschen können es nicht erwarten, dass die Berufsausbildung beginnt und sie das erste eigene Geld verdienen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Azubis eine Steuererklärung abgeben sollten. Grundsätzlich befinden sie sich mit einer Ausbildungsvergütung steuerlich im Berufsausbildungsdienstverhältnis und die berufsbedingten Aufwendungen sind abzugsfähige Werbungskosten. Ob eine Steuerrückerstattung sinnvoll ist, muss individuell geprüft werden. Nachfolgend erfährst du, wann du als Azubi eine Steuererklärung abgeben solltest und was du alles absetzen kannst.

Als Azubi Steuererklärung abgeben – sinnvoll?

Ist der Ausbildungsvertrag in der Tasche, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Das erste Geld wird verdient, sodass monatlich der Lohnzettel überreicht wird. Doch sollte einmal im Jahr auch die Lohnsteuerbescheinigung abgegeben werden? Darüber sind sich viele unschlüssig. Falls dir das Wort nicht geläufig ist, bei der Steuererklärung handelt es sich um eine Art Abrechnung mit dem Finanzamt. Darin werden die steuerpflichtigen Einnahmen und die Ausgaben angegeben, die deine Steuerlast verringern. Das Finanzamt errechnet daraus, wie viel Steuern du zahlen musst und ob du einen Teil der bereits gezahlten Steuern zurückerhältst oder Steuern nachzahlen musst.

Steuererklärung abgeben ab bestimmter Höhe des Ausbildungsgehalts

Betrachte deine Lohnabrechnung als Azubi ganz genau und achte vor allem auf die Höhe deines Bruttogehalts. Wer pro Monat weniger als 946 Euro oder pro Jahr weniger als 8.652 Euro brutto verdient (Steuerklasse1), muss keine Steuern zahlen. Bei einem höheren Gehalt werden diese fällig, wobei die Abgaben direkt vom Arbeitgeber überwiesen werden. Das Gehalt, das du anschließend überwiesen bekommst, ist das Netto-Gehalt. Eine Steuererklärung lohnt sich für Auszubildende somit immer dann, wenn sie Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag oder Kirchensteuer zahlen, denn die gezahlten Steuern können teilweise oder in manchen Fällen sogar komplett zurückgeholt werden.

Was kannst du von der Steuer absetzen?

Viele Kosten, die im Rahmen deiner Ausbildung anfallen, werden teilweise zurückerstattet. Zu den absetzbaren Werbungskosten gehören zum Beispiel Schreibtischmaterialien oder Ausgaben für dein Arbeitszimmer, beispielsweise Schreibtisch, Telefon oder Computer sowie Arbeitskleidung. Auch Fahrtkosten kannst du steuerlich geltend machen. Meist wird pro zurückgelegtem Kilometer eine Pauschale von 30 Cent erstattet. Auch Gebühren für Kurse und Reisekosten kannst du absetzen. In der Steuererklärung deiner Eltern können Unterbringungskosten geltend gemacht werden, falls du während der Ausbildung woanders wohnen musst. Zu weiteren Werbungskosten gehören Kontoführungsgebühren und Fachbücher. Der Anspruch auf Kindergeld endet nach dem 25. Lebensjahr bzw. nach Beendigung der Erstausbildung. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge können ebenso steuerlich geltend gemacht werden.

Fazit

Die Steuererklärung lohnt sich für dich als Azubi, wenn dein Arbeitgeber Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer abführt. In der Regel werden die gezahlten Steuern gänzlich zurückerstattet, sodass du im nächsten Jahr vielleicht eine kräftige Steuererstattung erwarten darfst. Zudem kannst du verschiedene Ausgaben, die im Rahmen deiner Ausbildung anfallen, per Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen. Das Finanzamt verrechnet die ausbildungsbedingten Kosten in diesem Fall mit den gezahlten Steuern und zahlt sie dir zurück. Du solltest dir bei deiner ersten Steuererklärung helfen lassen, beispielsweise von deinen Eltern. Als Auszubildender kannst du die so genannte vereinfachte Einkommensteuererklärung nutzen. Sie ist mit nur zwei Seiten kürzer und leichter auszufüllen. Auch Lohnsteuerhilfevereine helfen weiter, wobei die Beratungskosten für Azubis erschwinglich sind. Die Höhe des Mitgliedsbeitrags ist vom Jahreseinkommen abhängig.